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Schulsozialarbeit ist vor allem Vertrauenssache

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Sabrina Büchle, Laura Kovacs und Antje Steinle helfen Schülern, Eltern und Lehrern am BZM.

Zum Foto geht‘s an den Billard-Tisch. Der steht im „Galaxy“, dem eigens für die Mittelstufensschüler eingerichteten Raum im Markdorfer Bildungszentrum (BZM). In dem aber auch in Tischfußball steht und es neben einer kleinen Kochnische vor allem viel Sitzgelegenheiten gibt – zum Fläzen, zum Plauschen. Und während Sabrina Büchle, Laura Kovacs und Antje Steinle, die drei Schulsozialarbeiterinnen am BZM noch die Queues in die Hand nehmen, scherzt Sabrina Büchle, „Billardspielen ist bei uns quasi Voraussetzung – wer das nicht kann, der eignet sich auch kaum für die Schulsozialarbeit.“

Ein Scherz, aber ein Scherz, in dem ein großes Quantum Wahrheit steckt. Denn Sabrina Büchles humorige Anmerkung macht deutlich, was ganz wichtig ist, wenn das Schulsozialarbeiterinnen-Trio sein Ziel im Schulalltag erreichen will. Abgezielt wird nämlich aufs Ausräumen von allen im sozialen Miteinander aufgetretenen Problemen. Von Schwierigkeiten, die die Schülerinnen und Schüler untereinander haben, aber auch solchen, die sie zu Hause haben. Von Dingen also, über die zu sprechen oftmals nicht leicht fällt. Weshalb um so wichtiger ist, dass  ein gewisses Vertrauen besteht. Und das kommt nicht von selber. Vertrauen entsteht nicht beim Anklopfen an den Büro-Türen der Schulsozialarbeiterinnen. Vertrauen muss erarbeitete werden. Durch viele und vielfältige Begegnungen – bei Gesprächen mit den Klassen, bei den sogenannten erlebnispädagogischen Aktivitäten oder eben beim gemeinsamen Spielen am Billard, Tischfußball im Galaxy. Wer als Gesprächspartner für schwierige Stationen da sein soll, der muss zuvor ins Gespräch gekommen sein, ein Vertrauensverhältnis hergestellt haben.

„Wir sind natürlich auch Ansprechpartner für die Eltern und auch für die Lehrer“, erklärt Sabrina Büchle, die dienstälteste Schulsozialarbeiterin am Bildungszentrum. Zuständig ist sie für die Werkrealschüler, während Laura Kovacs die Realschüler und Antje Steinle die Gymnasiasten betreut.

Entdecken Mütter, hören Väter, dass ihr Sohn, ihre Tochter Schwierigkeiten beim Lernen hat, oder das es Probleme mit Mitschülern oder Lehrern gibt, können die sich an die Schulsozialarbeiterinnen wenden. Gleiches gilt, wenn es in der Familie kriselt. Auch dann können die drei sozialpädagogisch beziehungsweise sozialarbeiterisch best-qualifizierten Fachfrauen helfen. „An irgendeinem Punkt aber müssen wir dann weitervermitteln“, so erläutert Sabrina Büchle, „Therapien können wir keine anbieten.“ Die drei Schulsozialarbeiterinnen am BZM sehen sich eher in der Funktion einer „Klärungsstelle“, von ersten, von direkten Ansprechpartnern.

Einen großen Bereich ihrer Arbeit macht die Prävention, das Vorbeuten aus. So bietet etwa Antje Steinle bereits in den fünften Klassen des Gymnasiums ein Sozialtraining an. Das ist dort fest verankert im gymnasialen Lernplan, der sich mit dem „sozialen Lernen“ befasst und sowohl von Klassen- und Fachlehrern wie auch von der Schulsozialarbeiterin getragen wird. Ein weiteres Beispiel für die Präventionsarbeit der Schulsozialarbeiterinnen finden im Bereich der Mediennutzung statt. Aktuell wurden Kriminalbeamte beziehungsweise eine Interaktions-Theatergruppe eingeladen, über die Gefahren im Netz anzusprechen.

„Bei Bedarf biete ich eine Mobbing-Intervention an“, erklärt Antje Steinle. Den kleinen und großen Quälereien, dem Schikanieren und Frotzeln soll jedoch bereits im Vorfeld ganz grundsätzlich begegenet werden, indem sich die Klassen zu gemeinsamen Regeln verpflichten. Dies Regel-Kataloge werden dann auf gemeinsam erstellten Plakaten festgehalten. Sie dienen gewissermaßen als eigene „Verfassungen“. Und die Verstöße dagegen können unter Umständen empfindlich geahndet werden – bis hin zum Unterrichtsausschluss im Wiederholungsfall. Viel wichtiger als die Sanktionen ist den drei Schulsozialarbeiterinnen das Vermitteln von „Handwerkszeug“, damit Schüler ihre Streitigkeiten selber klären können. Deshalb kommen sie in die Klassen, reden über die Regeln des Miteinander, des wertschätzenden Umgangs. Ein Thema, bei dem sich  Laura Kovacs besonders engagiert. Sie geht in die Vorbereitungsklassen, um dort gezielt die Gleichberechtigung von Mann und Frau anzusprechen. „Da vermittele ich zum Beispiel, dass kein Mädchen abgestempelt werden darf, nur weil sie eine kurze Hose trägt.“ Hier versteht sie sich ein Stück weit als Wertevermittlerin und Integrationsunterstützerin.

Als positiv stellen Sabrina Büchle, Laura Kovacs und Antje Steinle die Zusammenarbeit mit den Lehrkräften dar. „Die sind dankbar, dass es uns gibt“, erklärt Laura Kovacs. Der Dankt gebühre den Schulträgern, so Sabrina Büchle. Die gute Ausstattung und die Schulsozialarbeit seien nämlich längst noch nicht überall selbstverständlich.

Was ist Schulsozialarbeit?

Sie versteht sich als eine präventive Form der Jugendhilfe, an die sich Schülerinnen, Schüler, Lehrer und Eltern in Problemlagen wenden können. Diese Schwierigkeiten oder Konflikte sind keineswegs nur auf den Schulalltag beschränkt.

Die Schulsozialarbeiterinnen am Markdorfer Bildungszentrum arbeiten mit den Lehrkräften zusammen, außerdem mit den städtischen Jugendbeauftragten sowie weiteren behördlichen Ansprechpartnern und Beratungsstellen.

Sie bieten Präventionsprojekte und Kompetenztrainings an. Die Schulsozialarbeiterinnen laden aber auch zur offenen Begegnung ein.

Werkrealschule: Sabrina Büchle, Raum 263 – 07544-509639

Realschule: Laura Kovacs, Raum 120 – 07544-509679

Gymnasium: Antje Steinle, Raum 262 07544-509679

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